Warum beschäftigen wir uns mit Compilern? Nur sehr selten
wird eine Informatikerin oder ein Informatiker heute noch die
Gelegenheit haben, einen Compiler für eine Programmiersprache wie
C++, Java oder Pascal zu schreiben. Dieses Geschäft ist in der Tat in
der Hand einiger weniger großer Hersteller.
Aber viele von Ihnen werden einmal vor der Aufgabe stehen, einen
Interpretierer für eine (kleine) Kommandosprache implementieren zu
müssen.
Vielleicht sollen Sie auch die Eingaben eines Benutzers auf
Vollständigkeit
und Korrektheit überprüfen. Alle diese Aufgaben verlangen Kenntnisse
aus dem Bereich des Compilerbaus.
Ohne Übersetzer für höhere Programmiersprachen müßten wir immer noch binäre Zahlen in den Computer tippen - eine wenig erfreuliche Aussicht.
Mit der wachsenden Anzahl von Benutzern wächst auch die Anzahl der
erfahrenen Anwender, die nicht gewillt sind, sich durch vordefiniertes
Verhalten oder konstante Parametrisierungen einschränken zu
lassen. Ein Weg diese erweiterbaren Systeme zu implementieren, ist die
Verwendung einer Programmiersprache. Man denke z.B. an
Postscript zur Steuerung von Druckern. Wer mit dieser Entwicklung
schritthalten will, muß auch verstehen, wie Übersetzer und
Interpretierer funktionieren.
Nicht zuletzt kann man am Thema Compilerbau auch sehr viele wichtige Techniken studieren: Suchverfahren, Stringverarbeitung, Optimierung und vieles mehr.
Prof. Dr. Reinhard Völler